Regina Ullmann, Kurt Guggenheim und Jeanne Hersch eint auf den ersten Blick wenig, doch speisten sich die Werke der drei jüdischen Autoren auch aus der Trauer einer verlorenen Liebe.
Bei Charles Guggenheim erinnern viele seiner Figuren an seine schwärmerische Liebe für Eva Welti-Hug, die er so bewegend in seinem Magnum Opus «Alles in Allem», aber auch in vielen anderen seiner Bücher aufscheinen lässt. Sie hat ihm wie als Trost für den Verzicht auf ein gemeinsames Leben ein «Glück im Schaffen» verheissen, das sein langes literarisches Wirken durchaus eingelöst hat.
Regina Ullmanns Liebesverhältnisse sind demgegenüber dramatisch zu nennen, wurde sie doch von zwei unzuverlässigen Männern schwanger und musste die Kinder verschämt weitab ihres Wohnortes gebären. Beide Kindsväter waren renommierte Wissenschaftler und auch sonst hat sich Regina Ullmann, die aufgrund einer körperlichen Behinderung eine sehr introvertierte Persönlichkeit war, in aufregenden intellektuellen Kreisen bewegt. Ihr Entdecker und Mentor als Schriftstellerin war niemand Geringerer als Rainer Maria Rilke.
Jeanne Hersch wiederum hat neben ihren philosophischen Publikationen ein Prosawerk verfasst, das ihre leidenschaftliche Liebe zu einem älteren, verheirateten Mann beschreibt. Die Hintergründe dieses Verhältnisses hat Charles Linsmayer sorgfältig nachgezeichnet. Im Gespräch mit Karen Roth wird er über das Schaffen von Regina Ullmann, Kurt Guggenheim und Jeanne Hersch anhand von Textstellen aus seinem im Frühjahr erschienenen Buch «Die anderen Schweizer Literatur» sprechen. Es liest die Schauspielerin Delia Mayer.