Ungehorsam ist das Gebot der Stunde. In diesem Sinne trifft das KunstmuseumSt.Gallen mit «Jacqueline de Jong. Disobedience», der ersten Retrospektive der Künstlerin in der Schweiz, einen Nerv der Zeit. Die von Melanie Bühler kenntnisreich eingerichtete Ausstellung zeigt eine Künstlerin, die als Autodidaktin genauso beharrlich wie intuitiv ein eindrückliches und vielseitiges Werk erschaffen hat.
Kurz nach ihrer Geburt 1939 im niederländischen Hengelo musste die jüdische Familie de Jong untertauchen. Nur dank der Hilfe der französischen Résistance gelang Mutter und Tochter die Flucht in die Schweiz. Die Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges scheinen Jacqueline de Jongs Liebe zu Frankreich geweckt sowie ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Gewalt und Krieg geprägt zuhaben. Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, doch kam sie über ihre Arbeit für den einflussreichen Direktor des Amsterdamer Stedelijk Museums, Willem Sandberg,in Kontakt mit wichtigen Figuren der Avantgarde-Bewegungen der 60er Jahre. Mit dem CoBrA-Mitglied Asger Jorn lebte sie in einer fruchtbaren Künstlerbeziehung und wandte sich neben der Malerei auch dem Mittel der Collage zu. Als Mitglied der Situationistischen Internationalen brachte sie von 1962 bis 1967 die mehrsprachige Zeitschrift «Situationist Times» heraus und experimentierte dabei mit ungewöhnlicherTypographie und Buchgestaltung.
Jacqueline de Jongs umfangreiches malerisches Schaffen, das Themen wie Politik, Sexualität und Gewalt mit popkulturellen Versatzstücken mischt, wird in der Ausstellung in Kapitel aufgefächert. Sie war nicht nur eine vielseitige Künstlerin, sondern auch ein offener Geist, weshalb ihr Leben manch interessante Wendung nahm. Nach vielen Jahren in Paris lebte sie bis zu ihrem Lebensende 2024 zwischenAmsterdam und dem französischen Bouan (Buxières-les-Mines). Dort entdeckte sie die faszinierenden Austreibungen von Kartoffeln, die sie zu einer Schmuckserie inspirierten. Auch diese ist in St. Gallen zu sehen, genauso wie ein längeres Filmporträt der Künstlerin, das ihre wache, humorvolle, kreative und widerständige Persönlichkeit ausgezeichnet einfängt. Es lohnt sich auch deswegen, genug Zeit für diese attraktive Retrospektive, die noch bis zum 22. März 2026 zu sehen ist, einzuplanen.
Ungehorsam ist das Gebot der Stunde. In diesem Sinne trifft das KunstmuseumSt.Gallen mit «Jacqueline de Jong. Disobedience», der ersten Retrospektive der Künstlerin in der Schweiz, einen Nerv der Zeit. Die von Melanie Bühler kenntnisreich eingerichtete Ausstellung zeigt eine Künstlerin, die als Autodidaktin genauso beharrlich wie intuitiv ein eindrückliches und vielseitiges Werk erschaffen hat.
Kurz nach ihrer Geburt 1939 im niederländischen Hengelo musste die jüdische Familie de Jong untertauchen. Nur dank der Hilfe der französischen Résistance gelang Mutter und Tochter die Flucht in die Schweiz. Die Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges scheinen Jacqueline de Jongs Liebe zu Frankreich geweckt sowie ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Gewalt und Krieg geprägt zuhaben. Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, doch kam sie über ihre Arbeit für den einflussreichen Direktor des Amsterdamer Stedelijk Museums, Willem Sandberg,in Kontakt mit wichtigen Figuren der Avantgarde-Bewegungen der 60er Jahre. Mit dem CoBrA-Mitglied Asger Jorn lebte sie in einer fruchtbaren Künstlerbeziehung und wandte sich neben der Malerei auch dem Mittel der Collage zu. Als Mitglied der Situationistischen Internationalen brachte sie von 1962 bis 1967 die mehrsprachige Zeitschrift «Situationist Times» heraus und experimentierte dabei mit ungewöhnlicherTypographie und Buchgestaltung.
Jacqueline de Jongs umfangreiches malerisches Schaffen, das Themen wie Politik, Sexualität und Gewalt mit popkulturellen Versatzstücken mischt, wird in der Ausstellung in Kapitel aufgefächert. Sie war nicht nur eine vielseitige Künstlerin, sondern auch ein offener Geist, weshalb ihr Leben manch interessante Wendung nahm. Nach vielen Jahren in Paris lebte sie bis zu ihrem Lebensende 2024 zwischenAmsterdam und dem französischen Bouan (Buxières-les-Mines). Dort entdeckte sie die faszinierenden Austreibungen von Kartoffeln, die sie zu einer Schmuckserie inspirierten. Auch diese ist in St. Gallen zu sehen, genauso wie ein längeres Filmporträt der Künstlerin, das ihre wache, humorvolle, kreative und widerständige Persönlichkeit ausgezeichnet einfängt. Es lohnt sich auch deswegen, genug Zeit für diese attraktive Retrospektive, die noch bis zum 22. März 2026 zu sehen ist, einzuplanen.