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Von Jiddischland nach Esparantopia

Die Kulturwissenschaftlerin Liliana Ruth Feiersteinspricht über den Esperanto-Gründer Ludwik Lejzer Zamenhof

Beijz, Seefeldstrasse 177, 8008 Zürich
Tickets: 25/20.- für Omanutmitglieder (inkl. Tapas)
Anmeldung: omanut@omanut.ch oder 044 915 28 63

Ludwik Lejzer Zamenhof (1859-1917) ist als Begründer der Weltsprache Esperanto in die Geschichte eingegangen. Weniger bekannt ist, dass er der Verfasser einer bedeutenden und pionierhaften Grammatik des Jiddischen ist, die erst nach seinem Tod entdeckt wurde. Lag es daran, dass er im Jiddischen nicht die Antwort gefunden hatte, die dem überzeugten Pazifisten vorschwebte? Als tief in der jüdischen Tradition verwurzelter Denker war ihm bewusst, dass nicht nur sephardische Juden, sondern auch viele Aschkenasim mit dem «Jargon» unvertraut waren. 1887 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Dr. Esperanto das Werk «Unua Libro» in Warschau. Es war ein auf russisch verfasstes Manifest für eine internationale Sprache, die schliesslich den Namen des Verfassers erhielt – Esperanto (der Hoffende). Mit seiner Spracherfindung transformierte Zamenhof soziale und kosmopolitische jüdische Ideen auf revolutionäre Weise. Auch sein darauf aufbauendes Hillelismus-Programm verstand er als Antwort auf die religiöse Krise des modernen Judentums, welche durch die Emanzipation und den damit einhergehenden Antisemitismus hervorgerufen wurde. Bis heute inspiriert Zamenhofs utopisches Projekt viele Menschen und wird Esperanto weltweit gesprochen.

Liliana Ruth Feierstein ist in Argentinien geboren und hat in Buenos Aires, Vancouver und Mexiko-City studiert. Ihre 2007 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eingereichte Dissertation mit dem Titel «Von Schwelle zu Schwelle. Einblicke in den didaktisch-historischen Umgang mit dem Anderen aus der Perspektive jüdischen Denkens» wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien ausgezeichnet. Sie war Postdoktorandin des European Research Council und Fellow am Seminario Rabínico Latinoamericano in Buenos Aires. Ihre Forschungsschwerpunkte sind jüdische Kultur, Geschichte und Literatur in romanischsprachigen Ländern sowie Theorien der Diaspora. Seit 2017 ist sie Professorin für die transkulturelle Geschichte des Judentums am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1995 bis 2002 war sie Assistentin an der Universität Basel und nahm Lehra