David Grossmans neuer Roman „Kommt ein Pferd in die Bar» ist sprachlich ganz anders als seine bisherigen Bücher. Das merken auch die Leser der deutschen Übersetzung, die Anne Birkenhauer besorgt hat. „Er zieht ganz neue sprachliche Register, das hat mich auch bei der Übertragung vor ganz neue Aufgaben gestellt», sagt sie. Viele Anspielungen im Text beziehen sich auf die dem deutschsprachigen Leser nicht vertraute gesellschaftliche und politische Realität Israels; die andauernde Besatzung der palästinensischen Gebiete lässt die Menschen abstumpfen und verrohen, die Präsenz der Shoa-Überlebenden erinnert sie täglich an das Trauma des Holocaust. Zudem geht die Öffentlichkeit sehr viel direkter mit starken Emotionen um.
Grossmans neuer Roman versetzt den Leser in die Rolle des Zuschauers: In einem ziemlich miesen Etablissement erzählt der Standup-Comedian Dovele Grinstein von den makabren Umständen einer Beerdigung, die sein ganzes Leben verpfuscht hat. Doveles Rätselhaftigkeit, das Schillern dieser in sich gebrochenen Figur lässt den Leser nicht mehr los.
David Grossmans Übersetzerin berichtet im ersten Teil des Abends, was „hinter der Bühne» passierte, welche Transformationen nötig waren, um den ganz und gar ungewöhnlichen Comedy-Abend von einer israelischen Kleinstadtbühne sprachlich und inhaltlich überzeugend vor deutschsprachiges Publikum zu bringen.
Im zweiten Teil lädt Anne Birkenhauer Leserinnen und Leser, die das Buch entweder im hebräischen im Original oder in der Übersetzung gelesen haben, zu einem Gespräch über Fragen ein, die ihnen beim Lesen kamen, sei es weil sie beide Sprachen kennen oder sensibilisiert sind für jüdische oder israelische Themen in deutscher Sprache. Auch weniger inhaltliche als vielmehr poetische und stilistische Fragen werden besprochen.
Anne Birkenhauer freut sich, wenn Sie ihr Fragen vorab mailen, dann kann sie frühere Versionen ihrer Übersetzung heraussuchen und konkret zeigen, wie bestimmte Lösungen zustande gekommen sind.