Jüdisch und jung in Deutschland

 

Neues junges jüdisches Leben ist Teil der diversen Lebenswirklichkeit in Europa. Wie sieht dieses Leben in Deutschland aus? Welche Erzählformen sind neu, anders und wer repräsentiert jüdisches Leben heute? Die Politologin Meltem Kulaçatan unterhält sich dazu in ihrer Neumarkt-Reihe „Gefragt, gewagt, vertieft» mit den beiden Gästen Mirna Funk und Sergey Lagodinsky. Letzterer hat in seinem 2014 erschienenen Buch „Kontexte des Antisemitismus» das Verhältnis zwischen Antisemitismus und Meinungsfreiheit in Deutschland und im Völkerrecht untersucht. Und Mirna Funk meinte letzthin in einem Zeit-Interview: „Deutsche können das Wort Jude bis heute nicht normal aussprechen.» Beide berichten über ihre Alltagserfahrungen und hinterfragen Vorurteile und eine Erinnerungskultur, die ihr Anliegen oft verfehlt und eher zur Fortsetzung antisemitischer Stereotype und Narrative beiträgt.

 

 

Mirna Funk, geboren 1981 in Ost-Berlin,  ist Autorin und Journalistin und die Urenkelin des Schriftstellers Stephan Hermlin. Funk studierte Philosophie und Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Ihr Debütroman Winternähe erschien 2015 und erhielt den Uwe-Johnson-Förderpreis. Für die deutsche Vogue erzählt Mirna Funk in ihrer Kolumne «Jüdisch heute» von ihrem Alltag als deutsche Jüdin und hat Ende letzten Jahres das Kinderbuch „Wo ist Papa»? herausgebracht, das gleichzeitig auf Englisch, Deutsch, Französisch und Hebräisch erschien. Funk lebt zusammen mit ihrer Tochter in Berlin und Tel Aviv.  

 

Sergey Lagodinsky, geboren 1975 im sowjetischen Astrachan, wanderte Ende 1993 mit seiner Familie nach Deutschland aus, wo er nach Studien an der Universität Göttingen und später in Harvard an der Humboldt Universität im Bereich Rechtswissenschaften promovierte. Er ist Leiter des den Grünen nahen Referats EU/Nordamerika der Heinrich-Böll-Stiftung. Seine Fachexpertise liegt insbesondere in transatlantischen Beziehungen, Völker- und Verfassungsrecht sowie Recht und Politik der Vielfalt und Integration.

 

Meltem Kulaçatan, geboren 1976 in Lindau am Bodensee als Tochter türkischer Einwanderer mit muslimisch-jüdischem Hintergrund, studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Islamische Religionspädagogik promovierte 2012 im Fachbereich Politikwissenschaft. Seit September 2015 ist sie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main als wissenschaftliche Mitarbeiterin und untersucht in ihrem Habilitationsprojekt „Religiöse Selbstentwürfe junger Musliminnen in pädagogischen Handlungsfeldern». Migration und Integration in Deutschland und Europa gehört zu ihren Forschungsschwerpunkten. 2016/17 hatte sie eine Gastprofessur am Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich inne.