Die weibliche Seite Gottes als Herausforderung

Nach dem biblischen Buch Genesis (1,27) schuf Gott „also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.» Und doch wird der nach jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition „einzige Gott» männlich imaginiert.

Felicitas Heimann-Jelinek, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung „Die weibliche Seite Gottes», die bis am 8. Oktober im jüdischen Museum Hohenems zu sehen ist, wirft einen kritischen Blick auf Bilder des Weiblichen in der religiösen Tradition. Sie spricht über verborgene und verdrängte Überlieferungen alternativer Vorstellungen des Göttlichen und hinterfragt Vorstellungen von Weiblichem als negativer Antithese zu Männlichem. Die Möglichkeit einer sexuell weiblich definierten Dimension Gottes blitzt in der hebräischen Bibel, in ausserkanonischen Schriften und in der rabbinischen Literatur auf. Explizit lebt sie vor allem in der jüdischen Mystik fort – um im 20. Jahrhundert folgenreich wiederentdeckt zu werden: nicht zuletzt in der Praxis von Frauen und in den Arbeiten von Künstlerinnen, die den Rahmen überkommener Bilder von Geschlecht und Heiligkeit sprengen.

Felicitas Heimann-Jelinek, wohnhaft in Wien, studierte Judaistik und Kunstgeschichte in Jerusalem und Wien und doktorierte an der Universität Wien. Sie arbeitet seit 1984 mit dem Schwerpunkt Jüdische Kulturgeschichte in Jüdischen Museen in Europa und den USA, von 1993 bis 2011 als Chefkuratorin des Jüdischen Museums Wien und seit 2011 als freischaffende Kuratorin, Forscherin und Beraterin. Sie ist als Universitätslektorin mit den Schwerpunkten Jüdische Kunst und Museologie tätig und hat zahlreiche Texte zur Jüdischen Kulturgeschichte und Museologie veröffentlicht. Felicitas Heimann-Jelinek hat zurzeit die Sigi Feigel-Gastprofessur für Jüdische Studien inne.

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